Die Organisatoren der Evangelischen Jugend, die eine Menge Arbeit in ihre Idee „Brockhaus Open Air“ gesteckt hatten, konnten also aufatmen, denn das Projekt lief fast generalstabsmäßig ab. Beim Start zum Spendenlauf brannte die Sonne zwar gnadenlos, aber Läuferinnen und Läufer – viele wettkampferprobt – ließen sich nicht abschrecken und holten mit starker Kondition und Durchhaltewillen richtig was rein für den guten Zweck. Kirchenvorstand-Chef Jürgen Werner und Vorgänger Gerd Meinecke registrierten mit Freude die hohe Zahl an absolvierten 500-Meter-Runden. 

Gitarrenklänge und Gesang von der Bühne direkt neben der Kirche lockten kurz darauf Neugierige an. Die talentierte Gruppe Basements der Evangelischen Jugend überzeugte mit gefühlvoll vorgetragenen Liedern wie dem melancholischen „Too close“ von Alex Clare. Verdienten Beifall und helle Begeisterung entfachte auch das Theaterspiel der ehemaligen Vorschulkinder. Eine Königstochter, die das Prinzessinnen-Dasein mit Zofen und Krone satt hatte, die sich nicht einmal von harten Sanktionen wie Tellerwäscherei oder Schweinehüten abschrecken ließ und bei der erzwungenen Arbeit im Stall gar Liebe zu den empfindsamen Rüsseltieren entwickelte („Schweine sind viel zu klug, Vater, um sie zu schlachten!“) – das kam an. Die Herzen flogen den jungen Darstellern zu, als der König irgendwann kleinlaut zugeben musste: „Wir vermissen dich!“ Einfach köstlich, wie Pferd und Schweine, Diener und Hoheiten in ihren Rollen aufgingen.

Rund um die St.-Sylvester-Kirche ging es Schlag auf Schlag – gut geplant, denn von ihrem Brockhaus-Büro als Zentrale steuerten die Jugendlichen das Fest. Malen für Kids, eine schwindelnd hohe Schießscheibe für Ballkünstler, eine froschgrüne Hüpfburg, Turmbesteigungen auf Wunsch, Burgmannskapelle, Hip-Hop-Tanzgruppe und Laudatechor: Vielfältiger konnte das Angebot kaum sein. Mittendrin heimste die Sylvesterband mehrfach Beifall ein. Pastor Wolfgang Thon Breuker war überall zugleich, aber auf die Crew konnte er sich ohnehin verlassen.

Gute Stimmung 

Und dann hieß es Bühne frei für die WG-Band Palace of Love, deren Auftritt zu vorgerückter Stunde viele Besucher entgegengefiebert hatten. Sie katapultierten die Stimmung aller Altersstufen steil in die Höhe. Auf dem Programm: „Tears for fears“, ein Hip-Hop-Medley wie ein Feuerwerk, hämmernde Schlagzeug-Soli oder das legendäre „I shot the Sheriff“. Bei Elton Johns „Rocket Man“ sangen alte und neue Fans längst mit. Und selbst das spontane „Hit the Road, Jack“ von Ray-Charles-Double Alex riss die Zuhörer mit.

Die WG-Jungs erfüllten alle Erwartungen, bis Blitze, Sturm und Regen die Gäste unter den Bierpavillon, in die Kirche oder ins Zelt trieben. Die gute Stimmung konnte Donnergott Thor allerdings nicht vertreiben – und erst recht nicht den Erfolg dieser einzigartigen Veranstaltung. Ein junger Teilnehmer traf mit seiner Wortschöpfung ins Schwarze: „Wir sind eben die Brockhaus Community“, rief er laut in die feiernde Menge, ehe der harte Kern der Gäste genau wie die dynamischen Organisatoren in ihren schwarzen T-Shirts und das DJ-Duo Audrey’s Dance mit kalten Drinks und heißen Hits den Endspurt einläuteten.